in den letzten vier Wochen waren wir
unterwegs und haben viele Eindrücke mitgenommen.
Zuerst flogen wir nach Berlin, wo wir noch Hayo und Christine trafen und zum
letzten Mal wirklich gut essen (tailändisch) waren. Am nächsten Tag über Moskau
nach Barnaul geflogen. Dabei hatten wir unsere Reisegruppe getroffen, so dass
wir uns nicht mehr um das Sprachproblem kümmern mussten. In Barnaul ist leider
nur einer unserer Rucksäcke angekommen. zum Glück derjenige mit Zelt, Schlafsack,
Isomatten und Wanderschuhe. Dagmar (unsere Reiseleiterin) füllte unendlich viele
Formulare in russischer Schrift aus. Schnell wurde klar, dass wir trotzdem mit
einigen Zusatzkäufen aufbrechen konnten. So fuhren wir etwa 600 km ins Altai-
Gebirge hinein. An der Mongolischen Grenze konnten wir die ersten Gletscher
sehen. Nach einer 2 stündigen Abfertigung am russischen Zoll begrüsste uns Rina
in der Mongolei mit einem guten Mittagessen. Rina kochte die nächsten 2 Wochen
für uns verhältnismässig abwechslungsreich mit viel Gemüse, etwas Hammel und
Teigwaren. Nach weiteren 300 km fahrt in 2 Tagen über Steinpisten kamen wir zum
Tal Tsagaan Gol (weisser Fluss).
Am nächsten Tag wurde alles Gepäck auf drei Kamele geladen und wir liefen zum
Potanin Gletscher auf über 3000 m. ü. M. Ein wunderbares hochalpines grünes Tal
mit einigen Gletschern und einer ähnlicher Flora wie in der Schweiz. Nur fehlen
Strassen, Handyempfang und Häuser. Dafür hat es ein paar Jurten, Geissen, Schafe
und Jaks. Oberhalb des Gletschers übernachteten wir zwei Mal und unsere
Ausrüstung wurde zum ersten mal auf die Probe gestellt. Starke Winde,
plötzlicher Hagelschauer und dann wieder Sonne. Am Morgen Bodenfrost und
trotzdem waren wir eingenommen von dieser grandiosen Bergkulisse. Wir stiegen
dann nochmals 500 Meter hinauf und konnten tief ins russische Gebiet
hineinschauen.
Am nächsten Tag sind wir über einen anderen Weg wieder zum Ausgangspunkt
zurückgelaufen, vorbei an Hochmooren. Weiter ging es durch ein kargeres Tal. Da
hat es unzählige Felszeichnungen aus vorchristlicher Zeit. Wieder einige Jurten,
Gletscher und die hochalpine Landschaft. Nochmals ging es über einen 3000 Meter
hohen Pass (Tsagaan Hairchan Uul) in ein Tal mit vielen Lärchen in einem sonst
recht baumlosen Land. Wir blieben an diesem Lagerplatz zwei Tage. So konnte ich
mal auf einem Kamel reiten. Das Tier war zwar sehr geduldig, doch sein breiter
Rücken ergab bei mir am nächsten Tag etwas Muskelkater.
So liefen wir einen weiteren Tag durch dieses bewaldete Hochtal. Am Abend nahmen
wir Abschied von unseren Kamelen und Pferde. Da sollte eigentlich der Bus kommen
mit neuen Lebensmittel. Doch er kam erst am nächsten Mittag. So genossen wir
nochmals einen wanderfreien Tag, stiegen auf einen Hügel und konnten bei einer
Jurte frischen Käse und Hammel kaufen. Dafür kamen wir am nächsten Tag zum Ende
des Sees Khar Nuur. Am Abend gehen wir noch einkaufen in den hintersten Laden
der Mongolei. Das Bier, zusammen mit der gegorenen Stutenmilch behagt mir
allerdings nicht besonders und es gibt eine Freinacht mit kompletter Magen-Darm
Entleerung.
So geplättet steige ich am nächsten Tag in den Bus ein und wir fahren auf eine
Halbinsel. Baden ist angesagt und mein Zustand bessert sich. Am nächsten Tag
laufe ich wieder die halbe Strecke und wir erreichen am Abend den Abfluss des
grünen Sees. Für uns ist es der Abschied von unserer Reisegruppe, da wir am
nächsten Tag zu einer Nomadenfamilie gehen werden. Doch leider widerfährt
Alexandra das selbe wie mir und sie hat die nächsten zwei Tage Fieber.
Die Nomadenfamilie besteht aus den Grosseltern, einem von zehn Kindern und etwa
15 bis 20 Enkelkinder. Der ganze Klan wohnt in zwei Jurten, wir schlafen daneben
in unserem Zelt. Sie kochen auch für uns, doch das Essen ist
gewöhnungsbedürftig. Jakbutter, Rahm, Stutenmilchtee, Hartkäse und "Kurt".
Manchmal etwas Hammel, Nudeln und Gebäck mit viel Jakbutter zubereitet. Der
"Kurt" ist der härteste Hartkäse welchen wir kennen und auch bei den Mongolen
nicht besonders beliebt.
Die Familie hat fünfzig Geissen zum melken, etwa gleich viele Schafe, zwanzig
Pferde, zehn Jaks, eine Kuh und als besonderer Stolz zehn Kamele. Die Frauen und
Mädchen sind täglich etwa 3 Stunden am melken, bei den Pferden, Jaks und der Kuh
werden die Jungen zum anmelken kurz herangelassen, danach wird gemolken und zum
Schluss lässt man das Vieh wieder frei laufen.
Am zweiten Tag wird uns zu ehren ein Hammel geschlachtet. Alle machen mit, ein
sauberer Schnitt lässt das Tier nur kurz schreien. Innert einer Stunde ist alles
zerlegt, bei unserer Abreise ist von dem Tier bereits alles gegessen oder
verarbeitet. Im weiteren werden die Schafe geschoren mit einer grossen Schere.
Die Wolle wird danach mit Weidenruten weichgeklopft und auch von Hand eine
Filzdecke gemacht. Auch dürfen wir mithelfen bei der Käse- und
Butterherstellung. Dies wird auch in der Jurte gemacht, und der Geschmack darin
ist entsprechend. Dem Opa helfe ich etwas bei der Lederherstellung und Alexandra
übt sich beim Herstellen eines Strickes auch aus Schafwolle.
Wir machen da einige kurze Ausflüge zu mehreren Wasserfällen, dem nächsten Berg
und hinaus in die karge Ebene. Da die Familie nur kasachisch redet, verständigen
wir uns mit Zeichen. Mit Zeichnungen lernen wir die wichtigsten Begriffe, so die
Tiernahmen, Sonne, Regen, unser Essen und noch einiges mehr.
Letzten Mittwoch sollte uns ein Jeep der Blue Wolf Travel Company abholen. Doch
bis um 17h kommt niemand. Der Reservetag bei unserer Abreise ist schon am ersten
Tag aufgebraucht. Der Rückflug kann nicht verschoben werden und das russische
Visum ist auch nur bis zum 4. August gültig. Da wir in der letzten Jurte vor der
chinesischen Grenze sind, ist es unwahrscheinlich, dass jemand zufällig
vorbeikommt. So laufen wir abends los zum letzten Lagerplatz am Seeanfang. Es
könnte eine andere Reisegruppe da sein die uns weiterhilft. Nach zweistündigen
Marsch erreichen wir die Stelle. Mehrere Touristengruppen campen da. Bald ist
Sonnenfinsternistag und darum herrscht ein Riesentrouble. Doch leider fährt
niemand zurück. Es hat zwar auch Guides von Blue Wolf Travel, doch die haben
andere Gäste. So müssen wir allen unsere Lage erklären, den Guides erzählen was
wir von so einer Organisation halten, welche ihre Gäste in der Wildnis vergisst.
Schliesslich bringen eine Gruppe von Franzosen die Mongolen dazu, dass für uns
wirklich was gemacht werden soll. Kurz vor diesem Notprogramm kommt doch noch ein
Bus, der mit Einheimischen nach Ölgy fährt. So können wir in 8 Stunden die 160
km Holperpiste hinter uns bringen. Kurz vor der Ankunft platzt dem Bus in voller
Abwärtsfahrt ( ca 80 km/h, "gute" Schotterpiste) der linke Vorderreifen. Zum
Glück ist der Fahrer bei der Sache und nach einigen Sprüngen landen wir etwa 40
Meter neben der Strasse in einer Sandwüste. Dies war sicherlich der gefährlichste
Augenblick unserer Ferien.
Beim Blue Wolf Hauptquartier angekommen gehen wir gleich zum Chef und rufen
massiv aus. Doch schon beim zweiten Satz hat er ein Fahrer nach Russland
organisiert und 15 Minuten später ist auch die weiterfahrt nach Barnaul geklärt.
Immerhin über 700 km.
Das ganze verläuft auch relativ reibungslos, sieht man vom vollgestopften Jeep
zur Grenze ab. Der russische Zoll allerdings ist in der Sowietzeit
stehen geblieben. Vier Autos sind vor uns, und so brauch der Grenzübertritt ganze
7 Stunden! ohne dass irgendetwas aussergewöhnliches vorgefallen wäre. Kurz nach
dem Umsteigen ins Auto nach Barnaul halten wir nochmals kurz, da wir die
vollständige Sonnenfinsternis zufällig geniessen können.
Am nächsten Morgen sind wir am Flughafen. Wir können unseren zweiten Rucksack in
empfang nehmen und beziehen ein Hotel direkt am Flughafen, nachdem uns eine
freundlich englisch sprechende Russin weiterhilft. Das Hotel wollte uns zuerst
gar nicht aufnehmen, da sie weder "Hotel" noch Gebärdensprache verstehen wollen.
Gibt ja nur Arbeit!
Der Rückflug über Moskau verläuft relativ problemlos, in Zürich haben wir
allerdings soviel Verspätung dass wir den letzten Zug des Abends erst zwei
Minuten vor Abfahrt erreichen. Wir fragen den Kondikteur und können im Zug das
Billet lösen. So kommen wir mitten in der Nacht müde zuhause an.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dies eine sehr anspruchsvolle Reise war.
Kulinarisch auf tiefem Niveau, viel Geschüttel auf den Strassen dafür eine
eindrückliche Umgebung. Die Menschen in der Mongolei sind sehr freundlich und
wir fühlten uns da fast immer wohl. Im Gegensatz dazu Russland, welches die
Sowietzeit noch nicht überwunden hat. Viele Kontrollen, viel anstehen und man
weiss nicht mal wofür. Der Ausdruck "Land ohne Lächeln" ist mit wenigen
Ausnahmen zutreffend. Wir werden in absehbarer Zeit einen Bogen um Russland
machen.