noch vor Ölgij
Reisebericht vom 5. August 2008:

in den letzten vier Wochen waren wir unterwegs und haben viele Eindrücke mitgenommen.
Zuerst flogen wir nach Berlin, wo wir noch Hayo und Christine trafen und zum letzten Mal wirklich gut essen (tailändisch) waren. Am nächsten Tag über Moskau nach Barnaul geflogen. Dabei hatten wir unsere Reisegruppe getroffen, so dass wir uns nicht mehr um das Sprachproblem kümmern mussten. In Barnaul ist leider nur einer unserer Rucksäcke angekommen. zum Glück derjenige mit Zelt, Schlafsack, Isomatten und Wanderschuhe. Dagmar (unsere Reiseleiterin) füllte unendlich viele Formulare in russischer Schrift aus. Schnell wurde klar, dass wir trotzdem mit einigen Zusatzkäufen aufbrechen konnten. So fuhren wir etwa 600 km ins Altai- Gebirge hinein. An der Mongolischen Grenze konnten wir die ersten Gletscher sehen. Nach einer 2 stündigen Abfertigung am russischen Zoll begrüsste uns Rina in der Mongolei mit einem guten Mittagessen. Rina kochte die nächsten 2 Wochen für uns verhältnismässig abwechslungsreich mit viel Gemüse, etwas Hammel und Teigwaren. Nach weiteren 300 km fahrt in 2 Tagen über Steinpisten kamen wir zum Tal Tsagaan Gol (weisser Fluss).
Am nächsten Tag wurde alles Gepäck auf drei Kamele geladen und wir liefen zum Potanin Gletscher auf über 3000 m. ü. M. Ein wunderbares hochalpines grünes Tal mit einigen Gletschern und einer ähnlicher Flora wie in der Schweiz. Nur fehlen Strassen, Handyempfang und Häuser. Dafür hat es ein paar Jurten, Geissen, Schafe und Jaks. Oberhalb des Gletschers übernachteten wir zwei Mal und unsere Ausrüstung wurde zum ersten mal auf die Probe gestellt. Starke Winde, plötzlicher Hagelschauer und dann wieder Sonne. Am Morgen Bodenfrost und trotzdem waren wir eingenommen von dieser grandiosen Bergkulisse. Wir stiegen dann nochmals 500 Meter hinauf und konnten tief ins russische Gebiet hineinschauen.
Am nächsten Tag sind wir über einen anderen Weg wieder zum Ausgangspunkt zurückgelaufen, vorbei an Hochmooren. Weiter ging es durch ein kargeres Tal. Da hat es unzählige Felszeichnungen aus vorchristlicher Zeit. Wieder einige Jurten, Gletscher und die hochalpine Landschaft. Nochmals ging es über einen 3000 Meter hohen Pass (Tsagaan Hairchan Uul) in ein Tal mit vielen Lärchen in einem sonst recht baumlosen Land. Wir blieben an diesem Lagerplatz zwei Tage. So konnte ich mal auf einem Kamel reiten. Das Tier war zwar sehr geduldig, doch sein breiter Rücken ergab bei mir am nächsten Tag etwas Muskelkater.
So liefen wir einen weiteren Tag durch dieses bewaldete Hochtal. Am Abend nahmen wir Abschied von unseren Kamelen und Pferde. Da sollte eigentlich der Bus kommen mit neuen Lebensmittel. Doch er kam erst am nächsten Mittag. So genossen wir nochmals einen wanderfreien Tag, stiegen auf einen Hügel und konnten bei einer Jurte frischen Käse und Hammel kaufen. Dafür kamen wir am nächsten Tag zum Ende des Sees Khar Nuur. Am Abend gehen wir noch einkaufen in den hintersten Laden der Mongolei. Das Bier, zusammen mit der gegorenen Stutenmilch behagt mir allerdings nicht besonders und es gibt eine Freinacht mit kompletter Magen-Darm Entleerung.
So geplättet steige ich am nächsten Tag in den Bus ein und wir fahren auf eine Halbinsel. Baden ist angesagt und mein Zustand bessert sich. Am nächsten Tag laufe ich wieder die halbe Strecke und wir erreichen am Abend den Abfluss des grünen Sees. Für uns ist es der Abschied von unserer Reisegruppe, da wir am nächsten Tag zu einer Nomadenfamilie gehen werden. Doch leider widerfährt Alexandra das selbe wie mir und sie hat die nächsten zwei Tage Fieber.
Die Nomadenfamilie besteht aus den Grosseltern, einem von zehn Kindern und etwa 15 bis 20 Enkelkinder. Der ganze Klan wohnt in zwei Jurten, wir schlafen daneben in unserem Zelt. Sie kochen auch für uns, doch das Essen ist gewöhnungsbedürftig. Jakbutter, Rahm, Stutenmilchtee, Hartkäse und "Kurt". Manchmal etwas Hammel, Nudeln und Gebäck mit viel Jakbutter zubereitet. Der "Kurt" ist der härteste Hartkäse welchen wir kennen und auch bei den Mongolen nicht besonders beliebt.
Die Familie hat fünfzig Geissen zum melken, etwa gleich viele Schafe, zwanzig Pferde, zehn Jaks, eine Kuh und als besonderer Stolz zehn Kamele. Die Frauen und Mädchen sind täglich etwa 3 Stunden am melken, bei den Pferden, Jaks und der Kuh werden die Jungen zum anmelken kurz herangelassen, danach wird gemolken und zum Schluss lässt man das Vieh wieder frei laufen.
Am zweiten Tag wird uns zu ehren ein Hammel geschlachtet. Alle machen mit, ein sauberer Schnitt lässt das Tier nur kurz schreien. Innert einer Stunde ist alles zerlegt, bei unserer Abreise ist von dem Tier bereits alles gegessen oder verarbeitet. Im weiteren werden die Schafe geschoren mit einer grossen Schere. Die Wolle wird danach mit Weidenruten weichgeklopft und auch von Hand eine Filzdecke gemacht. Auch dürfen wir mithelfen bei der Käse- und Butterherstellung. Dies wird auch in der Jurte gemacht, und der Geschmack darin ist entsprechend. Dem Opa helfe ich etwas bei der Lederherstellung und Alexandra übt sich beim Herstellen eines Strickes auch aus Schafwolle.
Wir machen da einige kurze Ausflüge zu mehreren Wasserfällen, dem nächsten Berg und hinaus in die karge Ebene. Da die Familie nur kasachisch redet, verständigen wir uns mit Zeichen. Mit Zeichnungen lernen wir die wichtigsten Begriffe, so die Tiernahmen, Sonne, Regen, unser Essen und noch einiges mehr.
Letzten Mittwoch sollte uns ein Jeep der Blue Wolf Travel Company abholen. Doch bis um 17h kommt niemand. Der Reservetag bei unserer Abreise ist schon am ersten Tag aufgebraucht. Der Rückflug kann nicht verschoben werden und das russische Visum ist auch nur bis zum 4. August gültig. Da wir in der letzten Jurte vor der chinesischen Grenze sind, ist es unwahrscheinlich, dass jemand zufällig vorbeikommt. So laufen wir abends los zum letzten Lagerplatz am Seeanfang. Es könnte eine andere Reisegruppe da sein die uns weiterhilft. Nach zweistündigen Marsch erreichen wir die Stelle. Mehrere Touristengruppen campen da. Bald ist Sonnenfinsternistag und darum herrscht ein Riesentrouble. Doch leider fährt niemand zurück. Es hat zwar auch Guides von Blue Wolf Travel, doch die haben andere Gäste. So müssen wir allen unsere Lage erklären, den Guides erzählen was wir von so einer Organisation halten, welche ihre Gäste in der Wildnis vergisst. Schliesslich bringen eine Gruppe von Franzosen die Mongolen dazu, dass für uns wirklich was gemacht werden soll. Kurz vor diesem Notprogramm kommt doch noch ein Bus, der mit Einheimischen nach Ölgy fährt. So können wir in 8 Stunden die 160 km Holperpiste hinter uns bringen. Kurz vor der Ankunft platzt dem Bus in voller Abwärtsfahrt ( ca 80 km/h, "gute" Schotterpiste) der linke Vorderreifen. Zum Glück ist der Fahrer bei der Sache und nach einigen Sprüngen landen wir etwa 40 Meter neben der Strasse in einer Sandwüste. Dies war sicherlich der gefährlichste Augenblick unserer Ferien.
Beim Blue Wolf Hauptquartier angekommen gehen wir gleich zum Chef und rufen massiv aus. Doch schon beim zweiten Satz hat er ein Fahrer nach Russland organisiert und 15 Minuten später ist auch die weiterfahrt nach Barnaul geklärt. Immerhin über 700 km.
Das ganze verläuft auch relativ reibungslos, sieht man vom vollgestopften Jeep zur Grenze ab. Der russische Zoll allerdings ist in der Sowietzeit stehen geblieben. Vier Autos sind vor uns, und so brauch der Grenzübertritt ganze 7 Stunden! ohne dass irgendetwas aussergewöhnliches vorgefallen wäre. Kurz nach dem Umsteigen ins Auto nach Barnaul halten wir nochmals kurz, da wir die vollständige Sonnenfinsternis zufällig geniessen können.
Am nächsten Morgen sind wir am Flughafen. Wir können unseren zweiten Rucksack in empfang nehmen und beziehen ein Hotel direkt am Flughafen, nachdem uns eine freundlich englisch sprechende Russin weiterhilft. Das Hotel wollte uns zuerst gar nicht aufnehmen, da sie weder "Hotel" noch Gebärdensprache verstehen wollen. Gibt ja nur Arbeit!
Der Rückflug über Moskau verläuft relativ problemlos, in Zürich haben wir allerdings soviel Verspätung dass wir den letzten Zug des Abends erst zwei Minuten vor Abfahrt erreichen. Wir fragen den Kondikteur und können im Zug das Billet lösen. So kommen wir mitten in der Nacht müde zuhause an.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dies eine sehr anspruchsvolle Reise war. Kulinarisch auf tiefem Niveau, viel Geschüttel auf den Strassen dafür eine eindrückliche Umgebung. Die Menschen in der Mongolei sind sehr freundlich und wir fühlten uns da fast immer wohl. Im Gegensatz dazu Russland, welches die Sowietzeit noch nicht überwunden hat. Viele Kontrollen, viel anstehen und man weiss nicht mal wofür. Der Ausdruck "Land ohne Lächeln" ist mit wenigen Ausnahmen zutreffend. Wir werden in absehbarer Zeit einen Bogen um Russland machen.
 

 


Kamel wird gepackt

Gebirgssee

Blick übers Tal

der Wasserfall

See

erste Lärche

Jurten am Gletscher

Potanin Gletscher

Felszeichnungen

Blick in die karge Ebene

der Hoton Nuur

Fluss so breit wie das Tal

Gletschersee

Flussquerung

Lager auf 3000 m. ü. M.

am Gebirgsfluss

viele Fahrspuren

Steinmännchen aus dem 8. Jahrhundert

in Russland

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